Harriet’s

Spionage aller Art

Archiv für Allgemeinbildung

Widerspruch, ick hör dir trapsen

Endlich verstehe ich den Sinn der Überschrift „Wollt Ihr den totalen Widerspruch“ . Das ist eine neue Form der Beschäftigungstherapie für Kommentatoren, die sich widersprechen möchten. Viele, sehr viele Tage lang … wahrscheinlich eine neue Klasse der Blogunterhaltungsbranche. Kommentare zur Selbstdarstellung – ja, bitte. Ich weiß es besser, ätsch … und das im lockeren Wechsel. Warte, warte nur ein Weilchen, dann kann ich auch noch mal widersprechen. Um was geht es? Das Klima? Die Sonne scheint, der Wald ist grün, also, alles klar auf der Andrea Doria. Halt, da fehlt jetzt noch der Widerspruch. Wo ist der geblieben? Ich will mit-widersprechen. Cool, ich finde das Klima prima, das reimt sich auch und früher gab es auch schon eine Eiszeit und die Arche Noah war doch auch ganz toll. Und wer den Wandel, den klimatischen, moniert, der soll jetzt mal Fakten bringen! Und ob die stimmen oder nicht, das sagt Euch gleich das fahle Licht des nächsten Kommentars.

Goldt für den Samstag

Man lechzt auch nach Mittelmaß, wenn man das Gefühl hat, es werde einem ungerechterweise vorenthalten. (Max Goldt)

Fanverhalten in der Blogwelt

Wie wird man Fan von einem Blog? Da gibt es viele Möglichkeiten:

Interesse an an dem Blogthema,
anonyme Geborgenheit der miterregten Masse,
Spass haben,
Spannung erleben, virtuelle Geselligkeit finden,
gesteigertes Wir-Gefühl bzw. Gruppensolidarität,
begeistert werden, Zusammenwirken mit anderen, welche die gleichen Ziele und Interessen im gleichen Jargon teilen,
Erholungsfunktion (Flucht aus der normalen Arbeitswelt, Ablenkung von der Arbeitswelt),
Selbstwert durch die Identifikation mit dem erfolgreichen Idol, dem Blogger, steigern

Im Fanverhalten selber lassen sich durchaus verschiedene auffällige Verhaltensweisen (so z.B.  eine gemeinsame Sprachkultur, Zuspamen von vermeintlichen Gegnern, abfällige Bemerkungen machen, virtuell auslachen, Drohgebärden, Abwertung Andersdenkender) unterscheiden. Ganz offensichtlich aber sind die Bemerkungen und Kommentarbeiträge von eingefleischten Fanblogmitgliedern kaum mit denen von erstmaligen Kommentatoren zu vergleichen.

Sicher wichtig im Zusammenhang mit dem Verhalten als Fan ist die Berücksichtigung des Grades der Bindung zur Gruppe und Identifikation mit dem Blogger, für den man sich einsetzt.
Die Zugehörigkeit zu einer hoch bewerteten Gruppe (z.B. einem prämierten Blog von Stefan Niggemeier) verschafft dem Einzelnen ein hohes Selbstwertgefühl und die Verhaltensweisen in dieser Gruppe treten noch offensichtlicher zutage.

Bei radikale(re)n Fans nimmt man an, dass sie der identitätssteigernden Konformität mit der eigenen Gruppe dienen: So geht es bei verbalen Provokationen nicht in erster Linie um den Ausdruck echter Überzeugungen. Feindbilder und aggressive Handlungen gegenüber Anderen dienen der Abgrenzung als Gruppe und Sozialität, dem Gewinnen eines Wir-Gefühls. Ausserdem werden Männlichkeitsrituale und Aggressionsgebaren selbstwertsteigernd eingesetzt: Aggression nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel, die scheinbare körperliche Überlegenheit der eigenen Gruppe auch im Netz zu dokumentieren. In der Gruppe wird ein Zwang zur aggressiven Männlichkeitsdemonstration erlebt. Die Gruppe wird als Bezugsgruppe und gibt Halt, Sicherheit, ja, fast schon Geborgenheit. Hinzu kommen die Verstärkung des aggressiven Verhaltens durch die Anonymität im Netz oder das Bedürfnis nach einer Reizsuche, das eine Rolle spielen kann, da lesen nicht mehr genügt und man „mitschreiben“ will. Provokation und auffälliges Verhalten sichern so Aufmerksamkeit.

Ich rege an, die Anonymen BlogOholiker zu gründen, um den Betroffenen zu helfen.