Harriet’s

Spionage aller Art

Fanverhalten in der Blogwelt

Wie wird man Fan von einem Blog? Da gibt es viele Möglichkeiten:

Interesse an an dem Blogthema,
anonyme Geborgenheit der miterregten Masse,
Spass haben,
Spannung erleben, virtuelle Geselligkeit finden,
gesteigertes Wir-Gefühl bzw. Gruppensolidarität,
begeistert werden, Zusammenwirken mit anderen, welche die gleichen Ziele und Interessen im gleichen Jargon teilen,
Erholungsfunktion (Flucht aus der normalen Arbeitswelt, Ablenkung von der Arbeitswelt),
Selbstwert durch die Identifikation mit dem erfolgreichen Idol, dem Blogger, steigern

Im Fanverhalten selber lassen sich durchaus verschiedene auffällige Verhaltensweisen (so z.B.  eine gemeinsame Sprachkultur, Zuspamen von vermeintlichen Gegnern, abfällige Bemerkungen machen, virtuell auslachen, Drohgebärden, Abwertung Andersdenkender) unterscheiden. Ganz offensichtlich aber sind die Bemerkungen und Kommentarbeiträge von eingefleischten Fanblogmitgliedern kaum mit denen von erstmaligen Kommentatoren zu vergleichen.

Sicher wichtig im Zusammenhang mit dem Verhalten als Fan ist die Berücksichtigung des Grades der Bindung zur Gruppe und Identifikation mit dem Blogger, für den man sich einsetzt.
Die Zugehörigkeit zu einer hoch bewerteten Gruppe (z.B. einem prämierten Blog von Stefan Niggemeier) verschafft dem Einzelnen ein hohes Selbstwertgefühl und die Verhaltensweisen in dieser Gruppe treten noch offensichtlicher zutage.

Bei radikale(re)n Fans nimmt man an, dass sie der identitätssteigernden Konformität mit der eigenen Gruppe dienen: So geht es bei verbalen Provokationen nicht in erster Linie um den Ausdruck echter Überzeugungen. Feindbilder und aggressive Handlungen gegenüber Anderen dienen der Abgrenzung als Gruppe und Sozialität, dem Gewinnen eines Wir-Gefühls. Ausserdem werden Männlichkeitsrituale und Aggressionsgebaren selbstwertsteigernd eingesetzt: Aggression nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel, die scheinbare körperliche Überlegenheit der eigenen Gruppe auch im Netz zu dokumentieren. In der Gruppe wird ein Zwang zur aggressiven Männlichkeitsdemonstration erlebt. Die Gruppe wird als Bezugsgruppe und gibt Halt, Sicherheit, ja, fast schon Geborgenheit. Hinzu kommen die Verstärkung des aggressiven Verhaltens durch die Anonymität im Netz oder das Bedürfnis nach einer Reizsuche, das eine Rolle spielen kann, da lesen nicht mehr genügt und man „mitschreiben“ will. Provokation und auffälliges Verhalten sichern so Aufmerksamkeit.

Ich rege an, die Anonymen BlogOholiker zu gründen, um den Betroffenen zu helfen.

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1 Kommentar»

  Kathinka wrote @

Ich finde das eine gelungene Analyse!
Wir haben ja auch schon so unsere Erfahrungen mit „Extrem-Fans“ gemacht und ich kann nur bestätigen, was Du beschreibst. Außerordentlich erschreckend finde ich, dass die Betroffenen keinerlei Distanz mehr haben, und ihnen die Fähigkeit spielerisch und souverän mit einer Situation umzugehen fehlt. Sie haben keinen Humor. Leider beziehen die Betreiber der „befanten“ Blogs keine Stellung zu diesem Thema, und sie moderieren ja meist nicht mal. Sie machen es sich erstaunlich bequem, und das auf angeblich gesellschaftlich und politisch „gehobenen“ Blogs…


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